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Geschichten aus der Grenzregion

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Dieter Schaarschmidt – „Die DDR-Grenzer waren sehr schroff zu uns“

Die deutsch-deutsche Grenze besteht noch, als 1983 die Atomkraftgegner im Niemandsland der deutsch-deutschen Grenze ein Camp errichteten. Der Auslöser war, dass in dem Fall einer Katastrophe in Gorleben die Menschen die östlich von Gorleben wohnten, in der Falle säßen. Dieter Schaarschmidt war dabei und erzählt in einem Interview von den Ereignissen der Zeit.

Bernd Borchers – Erinnerung an die Deutsch-Deutsche Grenze

Bernd Borchers ist Zahnarzt und Ortschronist von Malliß. Im Interview mit Antje Hinz erzählt er welche Erinnerungen er an die deutsch-deutsche Grenze hat. Aber auch was 1945 mit der Dömitzer Eisenbahnbrücke geschah.

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„Ein Land, zwei Perspektiven: Flucht über die vereiste Elbe“

Jahrelang war der Westen ein Sehnsuchtsort für Bernd Müller. Im Januar 1970 entschloss er sich mit einem Freund über über die vereiste Elbe in den Westen zu flüchten. Sie verirrten sich im Nebel um dann doch das Festland von Westdeutschland zu erreichen. Durch die verlorene Orientierung, wussten Sie nicht ob sie sich auf der West oder Ost Seite befinden und klopften an die erstbeste Tür. Es war die Tür der Familie Giering mit denen bis Heute noch eine Freundschaft besteht.

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Hartmut Vogt

„Ich bin in Holtorf (heute zu Schnackenburg gehörend) geboren. Bin immer wieder gerne in der Heimat und dann ist ein Besuch an der Elbe ein MUSS, sonst war ich nicht dort. Habe die Grenze als Kind und Erwachsener erlebt. Habe mit meinem Onkel in der Garbe direkt am Zaun Heu gemacht und wir haben mit den Grenzwächtern der DDR (Ostzone) noch ein paar Worte gewechselt.
Lang lang ist’s her und kommt hoffentlich nicht wieder.“

Über die Elbe – hinweg

Mit Wachstuch vom Meter und Autoschläuchen bastelt sich eine fünfköpfige Familie aus Herrenhof ein Floß für die Flucht über die Elbe. Eltern und drei kleinen Jungen bleiben genau 15 Minuten Zeit, um das klobige Gefährt zwischen zwei Patrouillengängen der Grenzer zu Wasser zu lassen. Geschehen am 10. Juli 1960.Mitten auf der Elbe aber versagt der kleine Motor, eine Wind-böe stoppt die aben-teuerliche Flucht. Schon hält die alar-mierte Volkspolizei per Boot auf das sperrige Floß mit den fünf Men-schen zu. Mit zwei Spaten schaufelt sich die Familie verzweifelt weiter westwärts. In letzter Minute erreichen Dorly und Ludwig Burmester mit den drei Kin-dern das rettende Ufer in Hitzacker. Den Plan zur Flucht haben die Landwirte erst zwei Wochen vorher gefasst. Wegen kritischer Äußerungen zur bevorste-henden Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft waren sie angeschwärzt worden. Die Angst, ebenso wie andere vor ihnen, ins ferne östliche Mecklenburg zwangsausgesiedelt zu werden, machte das junge Bauern-Ehepaar erfinderisch: heim-lich bauen Burmesters ihr Fluchtfahrzeug. Die letzte Flucht über die Elbe wagten Menschen im Juni 1989. Einer schaffte es, der andere musste aufgeben und wurde verhaftet.

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Kontakte über die Grenze

Der Kugelschreiber eines Sparkassenangestellten. Ein Hannoveraner in Neuhaus. Was hat das mit Nachbarschaften über die Elbe zu tun? Hermann Sacks Biographie erzählt davon. An seinem 80. Geburtstag im November 2001 waren sie über die Elbe gekommen: Landrat Fietz und eine Abordnung des Landkreises Lüneburg kamen zum Gratulieren nach Neuhaus, zu Hermann Sack. Den kannten die Westdeutschen nämlich schon lange vor der Wende. Sack hatte in der Kreissparkasse Lüneburg das Bankfach gelernt. Nach dem Krieg arbeitete er in Neuhaus im Fuhrgeschäft seines Vaters, bis er 1950 hinter dem Bankschalter in Lüneburg die früheren  Kunden aus dem Amt Neuhaus betreute. 1955 wechselte Sack erneut über die Elbe, zurück nach Neuhaus. Als der „Kleine Grenzverkehr“ Anfang der Siebziger Jahre begann, suchten Männer wie Oberkreisdirektor Harries in Lüneburg Ansprechpartner in der DDR, im Amt Neuhaus. Hermann Sack öffnete sein Haus für neue Kontakte, an seinem Küchentisch wurde vieles besprochen, ohne Abhörgeräte und ohne  Bewachung. Das war Nachbarschaft über die Elbe hinweg, das war auch Zivilcourage gegen das Misstrauen der DDRBehörden. Sack ermöglichte auch viele Sportler-Treffen. Sport verbindet die Menschen ebenso wie die Musik. Seit der Wende treffen sich Anfang Juni Chöre von beiden Seiten der Elbe zum Singen in Darchau. Dem Verein für Bürgerbegegnung im Amt Neuhaus um Ingelore Pink gelingt es Jahr für Jahr, Chöre aus der ganzen Umgebung zu einem gemeinsamen Singen zu vereinen. Und auch die Sommerlichen Musiktage Hitzacker bringen Musiker und Konzertbesucher über die Elbe.

 

Mit der Fähre zum Konfirmandenunterricht

Freundschaften über die Elbe. Hüben und drüben gehörten einst zusammen – im Kirchspiel waren Hitzacker und Bitter-Herrenhof bis Kriegsende vereint. In Darchau und Neu Darchau gab es auch Gemeinsamkeiten. Wie für die Bauern in Bitter, Herrenhof und Brandstade war es auch hier selbstverständlich, mit der Fähre zum Kirchgang zu fahren. Werner Meyer aus Bitter erinnert sich an seine Konfirmandenzeit in Hitzacker. Da kam er meistens zu spät zum Unterricht. Aber der Pastor musste das hinnehmen, denn Werner hatte immer eine gute Entschuldigung: Schuld war die Fähre, sagt der heute über 80jährige augenzwinkernd. Aber als dann am Sonntag der Einsegnung das Kirchengeläut von Hitzacker über die Elbe zum feierlichen Gottesdienst ruft, sind Werner Meyer und die Kirchgänger aus den Bauerndörfern längst auf den Beinen. Niemand will der Letzte sein. Um halb zehn Uhr stehen sie also in den guten dunklen Sonntagsgewändern am Strom. Der Fährmann wartet schon und holt sie rüber. Kostenlos. Denn so war es damals: Fußgänger mussten auf der Elbfähre nicht bezahlen. Taufen und Begräbnisse finden in Hitzacker immer in der ev.- luth. St.-Johannis-Kirche statt. Viele Familien aus den Dörfchen hinter den Deichen haben noch Gräber in Hitzacker auf dem Friedhof am Weinberg. Die deutsche Teilung aber zerschneidet das jahrhundertealte Band jäh, trennt nicht nur die Kirchspiele, sondern auch die Lebenden und Verstorbenen hüben und drüben. Heute werden sie in Kaarßen zu Grabe getragen. Das uralte Band über die Elbe ist gerissen und kann  wohl nicht mehr neu geknüpft werden. Heute fährt niemand mehr aus Bitter und Herrenhof zum sonntäglichen Kirchgang nach Hitzacker.

Als die Grenze sich öffnete

Dieser Schlüssel öffnete Welten, die Kamera, russisches Modell, hielt alles fest. Es war wohl für viele der denkwürdigste Tag im Leben, als sich in Herrenhof-Bitter am 19. November 1989 das Tor im Grenzzaun auf dem Deich öffnete. In Hitzacker warteten die Menschen mit bangen Herzen: Wie wird das Wiedersehen, wo doch nahezu 40 Jahre der Trennung vergangen waren? Die Deutsche Presseagentur meldete direkt vom Geschehen: „Wollt ihr rüber?“ fragte Fährmann Michael Breese die Schar mehrerer hundert DDR-Bürger am  Sonntag um Punkt 12:30 Uhr, als sein Fahrgastschiff, die „MS Drawehn“ mit lautem Tuten zum ersten Mal am östlichen Ufer der Elbe gegenüber der Stadt Hitzacker anlegte. Das  vielstimmige „Jaaa“ ging unter in einem allgemeinen Freudentaumel, als sich DDR-Bürger und die kleine Abordnung aus Hitzacker, die mit der Fähre gekommen war, in die Arme fielen. Den Mitgliedern des Blasorchesters aus der DDR-Ortschaft Kaarßen, die seit Samstagmorgen auf dem Elbedeich hinter dem Metallgitterzaun immer wieder Marschmusik gespielt hatten, ging in diesem Moment, überwältigt von diesem historischen Augenblick, die Luft aus. Unter den Hunderten von Schaulustigen in Hitzacker brach ein nicht enden wollender Jubel los, als die „Drawehn“, ein 300 Personen fassendes Ausflugsschiff, unter lautem Heulen der Sirenen Richtung Osten dampfte. Nach zehn Minuten machte Breese sein Schiff am steinigen Ost-Ufer fest. Damit konnte er auch seine Familientradition wieder aufnehmen, denn das letzte Fährschiff an dieser Stelle war am 23. April 1945 von den  Amerikanern versenkt worden. Großvater Bernhard und Vater Hans-Heinrich Breese hatten es hilflos mit ansehen müssen. Als die „Drawehn“ gegen 13:00 Uhr wieder nach Hitzacker zurücktuckerte, kam auch die Blaskapelle wieder in Fahrt: Auf dem Schiff intonierte sie den Marsch „Liebesboten“.